Seit der Fertigstellung des Opern- und Kärntnerrings im Jahre 1865 zählt die Straßenecke Kärntnerring und Kärntnerstraße zu den am meisten frequentierten Plätzen Wiens.
Hier trifft die Vorstadt auf die Altstadt. Hier kreuzt die Ringstrasse die Kärntnerstrasse, die breiteste Einfallschneise in das Stadtzentrum.
Von Anfang an wurde dieser Bereich vom bürgerlichen Publikum zum Promenieren genutzt. Denn nur hier bietet die Ringstrasse die Attraktionen des modernen Boulevards:
Hotels, Kaffeehäuser, Reisebüros und Geschäfte. Nach dem Inhaber eines Lederwarengeschäfts wurde die Straßenecke ab etwa 1880 „Sirk-Ecke“ benannt. In dem Drama
„Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus sind Szenen vom Ringstrassenkorso an der Sirk-Ecke jeweils am Beginn der einzelnen Akte:
Menschen unterschiedlicher Herkunft und vor allem Offiziere begegnen hier regelmäßig einander und kommentieren die neuesten Nachrichten aus dem Krieg.
Spätestens mit dem Umbau der Opernkreuzung 1955 ist der Korso verschwunden und damit ein komplexes soziales Ritual, das auf äußeren Vorgaben und Zwängen, sozialen Vereinbarungen und kulturellen Codierungen basierte, die untereinander in enger Beziehung standen. Diese Beziehungsmuster sind in einem einzigen Medium nicht erfassbar. Sie benötigen die Kombination und gegenseitige Referenz verschiedener Medien. Deshalb war es notwendig, sich dem Phänomen Ringstrassenkorso unter Verwendung unterschiedlicher Quellen zu nähern, wobei die Basis der literarische und publizistische Text ist. Zu den Autoren, die den Ringstrassenkorso und sein Einzugsgebiet thematisieren gehören u.a. Karl Kraus, Heimito von Doderer, Arthur Schnitzler, Alexander Lernet-Holenia und Robert Musil. Die geplante Anthologie umfasst etwa 150 Texte, 120 Zeitschriften, 200 Bilder sowie etwa 100 weitere Materialien, Archivalien. Diese sollen vom User in interaktiver Weise erschlossen werden können.