Im Mittelpunkt des als AAC-Subcorpus konzipierten Viennese
Theatre Corpus (VTC) stehen der bekannte Theaterschriftsteller
und Satiriker Johann Nepomuk Nestroy (1801-1862) und sein
umfangreiches literarisches Schaffen.
Nestroys Werk wurde lange Zeit nur in Hinblick auf den reinen
Unterhaltungswert seiner satirischen und parodistischen
Theaterstücke geschätzt. Erst Karl Kraus, dem Herausgeber der
Fackel ist es zu verdanken, dass im 20. Jahrhundert eine Art
Renaissance, eine Neudeutung dieses Dichters als Sprachkritiker
eingeleitet wurde. -- „Nestroy ist der erste deutsche Satiriker, in
dem sich die Sprache Gedanken macht über die Dinge. Er erlöst die
Sprache vom Starrkrampf, und sie wirft ihm für jede Redensart
einen Gedanken ab.“ (Karl Kraus: Nestroy und die Nachwelt. In: Die
Fackel Nr. 349, S.
12)
Als Textbasis verfügt das Projekt über die vollständig gescannte
und XML-annotierte Historisch-Kritische Gesamtausgabe der Werke
Johann Nepomuk Nestroys, die in den Jahren 1924 bis 1930 von
Otto Rommel und Fritz Brukner in Wien herausgegeben wurde. Die
ständige Erweitung des Corpus durch die Auswahl weiterer Texte
hat eine umfassende Darstellung der Rezeption von Nestroys
Schaffen und ein Gesamtbild der Wiener Theaterwelt des
19. Jahrhunderts zum Ziel.
Neben einer Vielzahl an dramatischen Werken von Nestroys Zeitgenossen wird
zusätzlich auf eine möglichst weit gefächerte Vielfalt der Textsorten geachtet: neben
biographischen und zeitgeschichtlichen Berichten werden Spielpläne,
Theaterkritiken, Briefsammlungen, sowie juridische Texte wie zum Beispiel
Theaterordnungen, Aufführungsanweisungen oder zensurgeschichtlich relevante
Dokumente integriert.